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Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, sagte der Fuchs,
Aber du darfst sie nicht vergessen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast...

Antoine de Saint-Exupéry, 'Der kleine Prinz'

Jahresbericht 2016

Auch 2016 hat die Aktion Kleiner Prinz ihre langfristigen Projekte in Bosnien, Indien, Nepal, im Kongo, in Rumänien und Uganda sowie mit dem Bunten Kreis in Deutschland fortgeführt. Hinzu kamen einmalige bzw. kurzfristige Aktionen.

Auch die Hilfe für Flüchtlinge war 2016 wieder Teil unserer Arbeit.

Hier ist zunächst das Projekt „Flüchtlingshilfe in der Türkei“ zu nennen, das allerdings 2016 infolge der politischen Entwicklung nicht wie geplant verlief. Im Januar besuchte uns unsere Projektpartnerin Leyla Ferman, mit der wir bereits mehrere Projekte erfolgreich ab-gewickelt hatten. Sie berichtete über die schwierige Lage im Grenzgebiet zu Syrien. Dort leben viele Jesiden, die sich nicht auf den Weg nach Europa machen, sondern in der Nähe ihrer Heimat auf friedlichere Zeiten warten wollten. Frau Ferman bat um Unterstützung für ein Projekt in Nusaybin, im Kurdengebiet an der türkisch-syrischen Grenze gelegen. Dort sollte für 50 zum Teil schwer traumatisierte Kinder ein Kindergarten eingerichtet werden. Wir beschlossen noch im Januar, dieses Projekt zu finanzieren. Der Beginn verzögerte sich aber durch die Probleme mit der türkischen Zentralregierung. Schließlich setzte im November 2016 die türkische Zentralregierung die kurdischen Bürgermeister ab und ersetzte sie durch Vertrauensleute der Zentralregierung. Frau Ferman sah keine Möglichkeit mehr, ihre Arbeit weiterzuführen und verließ die Türkei. Das Projekt musste abgebrochen werden.

Eine andere Aktion für Flüchtlinge war dagegen sehr erfolgreich. Im März 2016, nach Schließung der sogenannten Balkanroute, strandeten viele Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze. Der Ort Idomeni erlangte traurige Berühmtheit, weil die Flüchtlinge dort unter unzumutbaren Bedingungen lebten. Es fehlte an allem, die Berichte waren uner-träglich. So entschlossen wir uns Anfang März 2016, zu Geld- und Sachspenden für „Kinder am Grenzzaun“ aufzurufen und Sonderannahmezeiten anzubieten, um alle Sachspenden annehmen zu können. Die Spendenbereitschaft der Menschen in Warendorf und der näheren und weiteren Umgebung war überwältigend. Bald türmten sich Kleidung, Matratzen, Decken, Isomatten und vieles mehr in unserer Halle an der Beckumer Straße. Gut, dass wir über ein großes Lager an der Dr.-Rau-Allee verfügen durften. Dort wurden die Sachspenden zwischengelagert, und von dort aus konnten wir schon am 17. März einen 40-Tonner auf den Weg bringen, bis zum Rand gefüllt mit dringend benötigten Hilfsgütern und „sortenrein“ gepackt. Die Kleidung war unterteilt in Herren-, Damen- und Kinderkleidung und sogar nach Größen sortiert. Komplettieren konnten wir die Ladung dank der eingegangenen Geldspenden mit Baby- und Kindernahrung. Lea Wilmsen, damals freiwillige Helferin in Idomeni und unsere Ansprechpartnerin vor Ort, berichtete bei einem Besuch Ende März in Warendorf von der erfolgreichen und schnellen Verteilung der Hilfsgüter.

Ende 2016 schließlich begannen wir mit einem Projekt, das noch aktuell ist. In Zusammenarbeit mit der Organisation Barada Syrienhilfe e.V. aus Münchberg in Oberfranken versorgen wir Flüchtlingsfamilien an der syrisch-türkischen Grenze mit dringend benötigter Baby- und Kindernahrung.

Seit Jahren unterstützen wir in Bosnien die Organisationen OASE in Banja Luka und Bread of Life in Prijedor. Einmal jährlich unternimmt eine Abordnung der Aktion Kleiner Prinz eine Projektreise dorthin, um sich vor Ort ein Bild von der Wirksamkeit unserer Projekte zu verschaffen. Im Februar 2016 bestand die Delegation aus Projektleiter Dieter Grothues, Klaus Chmiel und Dr. Michael Quinckhardt. Tief bewegt berichteten sie nach ihrer Rückkehr von Familien in Not, Kindern, die unter Armut, teils sogar Hunger litten. Die von der Aktion Kleiner Prinz finanzierten Schulspeisungen und Schulprojekte sind eine große Hilfe.

Projektreisen sind wichtig für uns. Sie helfen uns bei der Beurteilung und Kontrolle unserer Projekte. Wir können natürlich nicht jedes Projekt einmal jährlich kontrollieren. Umso wichti-ger sind die Berichte, die wir regelmäßig von unseren Projektpartnern erhalten.
Im Februar 2016 schrieb Elvira Pöhland, unsere Projektpartnerin in Uganda, die SOMA CHILD SUPPORT UGANDA (SCSU) habe ihr Projektgebiet jetzt endgültig, wie bereits ange-kündigt, nach Nyabuteba verlegt. Der kleine Ort liegt im Kitagwenda County, Kamwenge District im Westen Ugandas. Das Büro und die von SCSU unterstützte Schule liegen im Dorf Kyakasasira, in der Nähe des Lake George. Frau Pöhland sieht in diesem Gebiet bessere Möglichkeiten, den Menschen wirksam zu helfen. Sie hat den Bereich Gesundheit aufgegeben und konzentriert sich auf den Bereich Ausbildung.

Im März 2016 besuchte eine Delegation der Caritas Satu Mare / Rumänien die Aktion Klei-ner Prinz. Thema der Gespräche war insbesondere die Arbeit im Rehabilitationszentrum St. Josef, in dem Kinder mit Behinderung, Entwicklungsstörungen und Lernstörungen geför-dert werden. Das Zentrum wird seit Jahren von der Aktion Kleiner Prinz in erheblichem Umfang finanziell unterstützt. Dr. Lang, der Leiter der Caritas, berichtete, das Rehazentrum sei eine wichtige Anlaufstelle für viele Familien mit behinderten Kindern. Die frühzeitige Intervention bei schwer- oder mehrfach behinderten Kindern sei für ihre Familie, aber auch für die Fachleute eine große Herausforderung. Im Rehazentrum werde deshalb auch intensiv an neuen Konzepten gearbeitet. Dr. Lang betonte auch, dass die Caritas die Arbeit des Rehazentrums ohne die Hilfe der ausländischen Partner, insbesondere der Aktion Kleiner Prinz, nicht finanzieren könnte.

Ebenfalls im März erhielten wir den Bericht von Brigitte Weiler. Sie war, wie in jedem Jahr, auch 2016 nach Afghanistan gereist und berichtete, die Sicherheitslage sei nicht so schlecht gewesen wie im Jahr zuvor. Vom 5. Januar bis zum 13. März hatte sie sich in Afghanistan aufgehalten, viele Hilfen in den Bergdörfern auf den Weg gebracht und zwei Kliniken mit Medikamenten versorgt.

In Nepal engagieren wir uns seit dem Erdbeben im April 2015 gemeinsam mit der Kinderhilfe Nepal. Nach den bereits 2015 durchgeführten Wiederaufbauarbeiten finanzierte die Aktion Kleiner Prinz 2016 den Wiederaufbau der Bhimsen Schule. Zusätzlich beteiligten wir uns im Januar mit 20.000 Euro an einer Hilfsgüterlieferung in die Gebirgsregion, die nur mit einem Hubschrauber durchgeführt werden konnte. Die Hilfe war durch den strengen Winter und die indische Blockade erforderlich geworden.

Zur Einweihung der mit finanzieller Hilfe der Aktion Kleiner Prinz wiederaufgebauten Schule in Lukla reisten Dr. Michael Quinckhardt und ich gemeinsam mit einer Delegation der Kinderhilfe Nepal im April 2016 nach Nepal. Es war eine beeindruckende Reise. Die Armut der Menschen in Nepal ist für Europäer kaum vorstellbar. Umso wichtiger ist unsere Hilfe.

Im Kongo engagiert sich die Aktion Kleiner Prinz seit Jahrzehnten. Partner dort ist Dr. Otte, als gebürtiger Warendorfer vielen bekannt. 2016 beteiligte sich die Aktion Kleiner Prinz an der Finanzierung einer Schreinerwerkstatt und sagte die Hilfe für weitere Werkstattprojekte zu, die den Jugendlichen eine praktische Ausbildung ermöglichen sollen. Bei einem Besuch im Dezember 2016 stellten uns Abbé Bernard, im Kongo zuständig für die Werkstattprojekte, und Dr. Otte die weiteren Planungen vor: eine Fahrradwerkstatt, eine Autowerkstatt, eine Bäckerei und eine Näherei. Die Näherei soll insbesondere Mädchen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
Inzwischen konnte sich die Aktion Kleiner Prinz mit gespendeten Nähmaschinen und Nähautomaten maßgeblich an der Einrichtung der Näherei beteiligen.
All diese Projekte konnte ich bei meinem gerade beendeten, sehr beeindruckenden Besuch gemeinsam mit Herrn Dr. Otte in Augenschein nehmen.

In Haiti konnte die Aktion Kleiner Prinz Ende 2016 dank der eingegangenen Spenden den Kauf eines neuen Kleinbusses finanzieren. Wegen der weiten Wege ist ein solches Trans-portmittel für den Träger des Waisenhauses, die Organisation FMCS, Jacmel, unbedingt erforderlich.

Nun als letztes zu unserem Bauprojekt. Wie schon in meinem letzten Bericht erwähnt, wur-de die Enge in der Halle an der Beckumer Straße mehr und mehr zum Problem. Wir brauchten dringend mehr Platz für die Sachspenden. Im März 2016 kauften wir ein städtisches Grundstück am Hartsteinwerk und beschlossen, darauf eine zweckmäßige Halle zu errichten.
Wir nahmen den Kauf als Anlass, uns einmal bei unseren Helferinnen und Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz zu bedanken, und veranstalteten Anfang Juli einen „Schnadegang“ mit anschließendem Imbiss auf dem neuen Grundstück. 55 Helferinnen und Helfer folgten unserer Einladung, und wir verlebten einen schönen gemeinsamen Abend mit Gegrilltem und kühlen Getränken.
Inzwischen wurde mit dem „ersten Spatenstich“ der Bau der neuen Halle begonnen.

Im August teilte uns Schatzmeister Helmut Westekemper mit, dass die Aktion Kleiner Prinz auch für 2016 das DZI-Spendensiegel erhalten hat. Das DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen) prüft auf Antrag Spenden sammelnde Organisationen. Das Siegel erhalten nur Organisationen, die den strengen Kriterien des DZI genügen.

Am Hoffnungslauf am 21. Mai 2016 beteiligten sich insgesamt 2324 Menschen. Bei strah-lendem Sonnenschein legten sie insgesamt 16.246,5 km zurück. Viel Applaus erhielten die Gruppen, die im Rahmenprogramm ihr Können zeigten, u.a. die „Hüpfer“ und die „Flöck-chen“ der WaKaGe. Die WaKaGe holte damit einen Teil ihres ausgefallenen Rosenmontagsprogramms nach und verteilte als zusätzliche Attraktion die Karnevals-Süßigkeiten gegen eine Spende für die Aktion Kleiner Prinz.
Vom 1. bis zum 8. Oktober 2016 fand der jährliche Trödelmarkt statt. Der Andrang der Kun-den war wieder groß und die Stimmung ausgezeichnet. Die mehr als 80 Helferinnen und Helfer erwirtschafteten einen Ertrag von 31.000 Euro nach Abzug der Spenden. Allen Betei-ligten nochmals ein herzliches Dankeschön!
Im Warendorfer Weihnachtswäldchen übernahm die Aktion Kleiner Prinz auch 2016 für mehrere Tage das Stockbrotbacken.
An der Weihnachtspäckchenaktion 2016 beteiligten sich insgesamt 170 Einrichtungen. 8.500 liebevoll gepackte Päckchen konnten nach Medias und Satu Mare in Rumänien ge-schickt werden.
Auch die Weihnachtspäckchenaktion der Caritas unterstützten wir wieder finanziell. Die Caritas packt in jedem Jahr zu Weihnachten bedarfsgerechte Pakete für die von ihr betreuten Kinder.

18 Hilfstransporte gingen 2016 nach Rumänien. Hinzu kam ein Hilfstransport nach Bosni-en.

Die letzte Veranstaltung des Jahres war auch diesmal das Kindertheater im Warendorfer TAW. Christoph Bäumer vom Theater Don Kid’schote, Münster, erntete viel Applaus der klei-nen und großen Zuschauer für sein pädagogisch wertvolles Stück „Die Schatzkiste“.

Warendorf, im Mai 2017

Letzte Änderung am Montag, 22 Mai 2017 15:47
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